Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) wurde am 13. Dezember 1919 auf Initiative von Marie Juchacz und weiteren engagierten Frauen gegründet. Sie entstand aus den Ideen der sozialdemokratischen Arbeiter*innenbewegung – getragen von dem festen Glauben, dass soziale Gerechtigkeit kein Zufall, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist.
Marie Juchacz schrieb schon zuvor Geschichte: Als erste Frau sprach sie in einem deutschen Parlament, der Weimarer Nationalversammlung. Dieser Moment war mehr als ein politisches Ereignis – er stand sinnbildlich für den Einsatz um Gleichheit, Teilhabe und demokratische Mitbestimmung. Werte, die bis heute das Fundament der AWO bilden.
Zu den Gründerinnen zählten neben Marie Juchacz auch Louise Schroeder, Hedwig Wachenheim, Lore Agnes und Walter Friedländer. Sie verband die Überzeugung, dass Solidarität praktisch werden muss: Menschen sollten nicht Objekt von Fürsorge sein, sondern als selbstbestimmte Akteur*innen gestärkt werden. Daraus entwickelte sich das bis heute zentrale Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ – Ausdruck von Freiheit, Würde und Respekt vor der Eigenständigkeit jedes Menschen.
Aus ihrer Entstehungsgeschichte erwächst für die AWO eine besondere Verpflichtung: sich aktiv für Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und eine Gesellschaft einzusetzen, in der Toleranz und Solidarität nicht nur Worte, sondern gelebte Praxis sind. Wir verstehen Tradition nicht als Rückblick, sondern als Auftrag für Gegenwart und Zukunft.
Marie Juchacz erreichte zudem die Zustimmung des Parteiausschusses der SPD zur Gründung des „Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt“. Ziel war es, die Arbeiterschaft aktiv an der Wohlfahrtspflege zu beteiligen und eine soziale Perspektive einzubringen, die auf Gerechtigkeit, Mitbestimmung und fachlich verantwortliches Handeln ausgerichtet ist. Besonders wichtig war dabei die gesetzliche Verankerung der Wohlfahrtspflege und ihre sachgemäße Umsetzung – ein früher Ausdruck dessen, was wir heute als sozialstaatliche Verantwortung verstehen.

